Monat für Monat

Donnerstag, 7. August 2008

Monat 1

Na los, mach, töte ihn.
Das erste was du nicht hören solltest wenn du gerade das künstliche, matte Licht der Welt erblickt hast.
Wie denn, verdammt.
Der zweite Satz der dir mit Garantie dein Leben versauen wird. Das weißt du aus Erfahrung. Mutterliebe wird hier ausgeschlossen. Du Überlebst deine ersten traurigen Atemzüge, den ersten bevor du noch schreien kannst, den ersten nach dem du realisierst dass dies alles kein Traum ist; dass du wieder hier bist.
Manche nennen die Miesere dennoch Glück. Oder Wunder. Das Wunder des Lebens.
Du hast kein Glück, es ist nur ein Wunder.
Es ist ein Wunder das du noch immer Lebst, obwohl niemand hier ist der dich leiden kann. Nicht einmal dieser verunsicherte Medizinstudent. Diese Memme.
Eine tiefe Stimme sagt: Wie denn, verdammt!
Die Frau kreischt: Mach schon.
Denk nicht darüber nach, schrei einfach. Glaub mir, es ist besser so.
Also brüllst du dir deine mickrige, Fruchtwasser getränkte Seele aus dem Hals, du schreist den Staub der Fließen von den Wänden, den Nikotingelben Verputz des Plafonds, die Fliegenleichen von den Wänden, die Übernächtigen Pupillen des Geburtshelfers aus Schmiergeld erwartenden Augenhöhlen. Den Schmerz der Zündung deiner Lebensflamme, dem Verlust des Vakuums das dich umgab bis der Tod seine Klauen um deinen Brustkorb lockerte, dich nur ungern wieder freigab; Zigarettenrauch wird in deine Lungen gesogen, als wärst du ein leerer, sich aufwölbender Blasebalg.
Du willst sagen: Nicht schon wieder!
Du denkst: Nun ja, Pech gehabt!
So lange kann es dieses mal noch nicht her sein, deine Erinnerungen so frisch, das du noch den süßlichen Geschmack von verbranntem Fleisch auf der Zunge schmeckst. Deinem Fleisch.
Um Schmerz zu fühlen, brauchst du nicht dein Gedächtnis bemühen.
Wie oft hat sich dieser Planet, diese verrückt gewordene Kugel in der Zwischenzeit um die Sonne gekurbelt seit dem du auf den Stuhl gefesselt wurdest? Seitdem sich deine Muskeln derart fest zusammengepresst haben bis du dir damit selbst die Rippen gebrochen hast, sie dir deine Haare zu Stoppeln rasiert und die Augen verbunden haben? Die Augen verbunden! Als ob das etwas nützen würde.
Na los, versuch es! Greif dir mit neuen, verschrumpelten Fingerchen an deine Augen. Genieße diesen Eindruck, denn das letzte Mal als du sie gefühlt hast, wurden sie nur von einer um deinen Kopf geschlungenen Binde davon abgehalten, dass sie dir wie Sektkorken aus den Höhlen sprangen.
Bflop. Pflob.
Deswegen also.
Der Medizinstudent sagt: Ich kann … das können wir nicht machen!
Der erste Stromstoß tötet dein Herz, deswegen bist du noch lange nicht aus dem Schneider, was wohl die Situation hier eindeutig beweist.
Du brüllst und Spuckst und schleuderst deine winzigen Ärmchen um dich während ein völlig Überforderter Medizinstudent dich an seine Brust drückt, verzweifelt und hektisch immer wieder seinen Kopf nach hinten dreht. Aussichtslos, so mit dem Rücken zur Wand. An der Wand. Du fühlst seine Angst.
Angst ist für dich ein alter Bekannter. Angst stinkt nach Schweiß und nach in Pisse aufgeweichter Baumwolle.
Den zweiten Stromstoß verpassen sie dir damit dein Körper nicht in Flammen aufgeht, damit du die Hölle ohne Brandnarben überstehst. Der zweite Ampereschub dient ausschließlich dazu um in der Hölle deines Zukünftigen Lebens nicht von Anbeginn an gebrandmarkt zu sein. Nicht gehänselt zu werden oder dieselben Fehler noch einmal zu machen.
Ist doch zu komisch, oder?
Na los, mach, töte ihn.
Haha, möchtest du lachen, zu spät, denkst du.
Deine Pupillen schwappen unkontrolliert von einer Seite zur anderen, sehen verschwommen irrwitzige Farben die durch die hasserfüllte Atmosphäre flimmern, blau, weis, durchzuckt von grellen Blitzen welche nach deinem erstem Augenzwinkern gelb, dann wieder blau, wieder blendend weiß und so weiter…
Bastard.
Ach ja, da existiert noch etwas anderes als dein eigenes Geschrei.
Lass den Hammer …
Du knallst aus erschlafften Medizinstudentenarmen in ein Gewusel aus Teppichwanzen und sonstigem Getier; Der sich auf dich zu bewegende Boden ist Steinhart. Erste Atemzüge werden sofort wieder aus deinem Blutverkrusteten und zitterndem Körper gepresst, und als dich ein Wuchtiger Körper begräbt, erlebst du deine Welt als Luftleeren, finsteren Raum. Ein leises knacken, ähnlich dem den brechen trockener Zweige, verkündet die Fraktur mehrerer Rippen. Noch ist es nicht dein Blut das an dir pappt.
Wie schön war doch die Ruhe davor. Wie schön die Dunkelheit.
Plötzlich wieder dieses Geschrei, alles flimmert und explodiert in weis und blau, irgendetwas klebt an deinem Körper, dein Kopf ist zur Seite gedreht, dein kleines Ärmchen verdreht, gebrochen.
Der Körper neben dir zuckt so unkontrolliert wie dein eigener, du siehst in weit aufgerissene Augen, in einen vor entsetzen weit aufgerissenen Mund aus dem Blut und Speichel fließt. Nichts das du nicht schon kennst. Seine Lippen bewegen sich.
Die Frauenstimme prustet los, kriegt sich nicht mehr ein: Bring sie beide um.
Die Lippen sagen: Du hast es so gewollt.
Wenn du nicht so ein gewichtloses, unwillkürlich zuckendes Bündel wärest, die Hände reflexartig zur zitternden Faust geballt und deinen mickrigen, von hämmernden Schmerzen durchzuckten Kopf bewegen könntest, wenn du dem Lärm der durch diese wässrige Welt zu dir schwappt nur nicht so hilflos ausgeliefert wärest.
Die Lippen spucken: Noch ein letztes Mal.
Kurz bevor dir das Becken endgültig gebrochen wird, hüpfen winzige Essensreste, Ascheflocken, Nadeln und Zigarettenstummel vom Boden auf, Aludosen vibrieren leise in eingetrocknetem Erbrochenem. Ein kleines Erdbeben.
Die Lippen flüstern: Der Kreislauf ist vorüber.
Dann spritzt ein Teil seines Gehirns in deinen, vor Erkenntnis und Verwunderung weit aufgerissenen Mund. Nichts das du nicht schon kennen würdest.
Dann ein stampfender Einschlag neben deinem Ohr. Ein Luftloser Schmerz und du wirbelst schwerelos durch Zeit und Raum.
Die Möglichkeiten zu töten sind beinahe unbegrenzt.
Bei neugeborenen Kätzchen könnte man einen Hammer verwenden, bei diesen flauschigen, blinden und mit Fell überzogenen Dingern, diesen niedlichen und putzigen Geschöpfen, nicht größer als das zwei in deiner Handfläche platz hätten, funktioniert die Exekution folgendermaßen:
Man nehme einen Kartoffelsack aus preiswerter Jute, da nach gebrauch vollständig biologisch abbaubar; ein nicht zu verachtender Faktor bei der Entsorgung.
Lege sich ein Beil zurecht.
Zugegeben, das Beil muss nicht unbedingt sein, manche verzurren den noch mit bezaubernd jungem Katzenleben pulsierenden Sack und versenken ihn im nächsten Fluss. Oder Bach. Oder Jauchegrube. Persönlich finde ich das allerdings etwas zu, na sagen wir, Herzlos.
Also das Beil, respektive Hammer.
Du darfst nicht die scharfe Seite verwenden, dadurch würdest du den Sack beschädigen und die ganze Sauerei, all das Blut und Gedärme würden sich über die Betonfliesen hinter deinem Haus verteilen. Wenn du auf all die Schwärme von Schmeißfliegen verzichten willst die sich nur Sekunden später darüber hermachen werden, den Einsatz eines Gartenschlauches, Schrubbers, auf geschundene Knie …
Schlag mit der Stumpfen Seite des Beiles zu.
Wenn du auf gute Nachbarschaft wert legst, vergewissere dich, dass du dabei unbeobachtet bist. Mach es zu beginn der Primetime, so gegen halb neun, wenn der Rest der Menschheit vor der Glotze lümmelt und sich den Bauch mit Onion Chips und Bier abfüllt, wenn dein Nachbar damit beschäftigt ist, seine Frau aus dem Bett zu prügeln. Mach es wann immer du willst, interessiert doch sowieso niemanden.
Schlag zu. Vergewissere dich.
Sind sie tot?
Verdammte Scheiße.
Mit Katzenbabys hat man mehr Mitleid.
Als du deine Äuglein wieder öffnest, diese winzigen hellblauen Murmeln in denen sich seltsame Köpfe spiegeln, blieb von der einstigen Welt eine nach abgestandenem Blut und Scheiße stinkende Kloake, ein pulsierender Schmerz. Aus deinem zerbrochenen Körper wachsen durchsichtige Schläuche, Hände in gepuderten Gummihandschuhen lösen mit jeder Berührung einen Tsunami des Schmerzes aus der durch deinen Körper jagt und jedes andere Gefühl verdrängt, lange bevor du imstande bist, irgendwelche neuen Empfindungen zu entwickeln. Die Welt bedeutet Schmerz, die Welt bedeutet Atemstillstand. Leben verbindest du mit inneren Blutungen und zersplitternden Knochen.
Die Welt verbindest du mit grellem Lärm.
Diese schrille Stimme: Lasst ihn sterben, erlöst ihn doch endlich.
Es kommt dir vor, als sei es erst wenige Atemzüge her dass zweitausend Volt durch deinen zuckenden Körper jagten und einstiges Leben beendeten, als Lederriemen dich daran hinderten, dich auf Medizinballgröße zusammenzukrampfen. Kochsalz gelöstes Wasser wurden an deine Schläfen und Beine aufgetragen. Elektroden an diesen Stellen befestigt.
Augenbrauen rasiert damit du nicht in Brand gerätst.
Je mehr Drogen sie dir in deinen kleinen Körper tropfen, umso verschwommener wird die Erinnerung daran, schon fällt dir nur noch ein wie stickig der Angstschweiß unter der Stoffhaube riecht die sie dir überziehen.
Jemand sagt: Puls, er hat keinen Puls mehr.
Eine Frauenstimme flüstert: Er hat es geschafft.
Sie sagt: Es ist vorbei.

Monat 2

Eine weiche Stimme sagt: Noch mal zehn Mäuse von mir.
Deine Welt besteht aus einem Chaos aus grellgrün flimmernden Linien. Diese unscheinbaren Geraden quer über den Monitor, die mal mehr, mal weniger Rhythmisch ausschlagen. Nur manchmal, für die Dauer einiger Sauerstoffimpulse die sie dir in die Lungen drücken, schlägt nichts mehr aus. Nicht einmal dein junges Herz.
Deine eigene, ganz private Lebensfeindliche Umgebung wird beherrscht von Schläuchen und Kabeln, Monitoren, Reglern und obskur anmutenden, aufgetürmten, gestapelten Geräten. Diesem unrhythmischem gepiepse. Dem kleinen Walzer deines Lebens. Sporadisch anhaltend und völlig aus dem Takt. Auch wenn es dich Wahnsinnig macht, außerhalb deines Aquariums würdest du diese sterile, nach in Jod getauchten Tupfer riechende Atmosphäre kaum überleben.
Die Stimme sagt: Zehn Mäuse extra, was ist nun?
Deine Welt ist steril und entseelt und empfindungslos und kalt, in deinem Makrokosmos existiert ein Zitronengelb gestrichener Horizont, von dem niemals ein Sonnenstrahl auf deine schmutzgraue Haut fällt, niemals eine frische Brise durch hellblondes, beinahe weises Haar wirbelt. So dünn sind diese paar Strähnen, die aus deiner verletzlichen Kopfhaut wuchern und dir am Nacken aus der Haube fallen. Die sie dir übergezogen haben. Mit Elektroden besetzt um deine Hirnströme zu messen. Kaum merkbare Ausschläge. Die große Narbe quer über dein Gesicht, die, wenn du Glück hast und das Wunder eintritt, wenn du überlebst, eines Tages immerhin Teile davon bedeckt. Wie gesagt, wenn du Überlebst.
Du hörst ein kurzes, abgehacktes Lachen: Du bist verrückt, niemals.
Das Lachen donnert: Ich bin hier der Arzt.
Du bemerkst wie sich dein Brustkorb langsam aufbläht. Fühlst wie er sich wieder senkt, ohne dass du auch nur einen Atemzug selbstständig ausführst. Ist doch zu komisch, oder?
Noch in deinem letzten Lebenszyklus unternahmen sie alles um dein Leben qualvoll zu beenden. Welche Ironie, denkst du, dass dies nun niemand mehr versucht.
Nahezu niemand.
Dieses mal wird alles unternommen um dein Dasein mit der gleichen Entschlossenheit und Brutalität qualvoll zu verlängern. Es ist nicht verwunderlich das du dich daran erinnern kannst. Das du alles mitbekommst. Jeden einzelnen Stich der von deinen gebrochenen Rippen durch deinen Körper jagt. Jedes verdammte mal wenn sich deine Lungen füllen.
Es wundert dich nicht, warum dir absolut klar ist, dass nur du den Schrank eines Schattens sehen kannst, diese pechschwarze Kontur die neben der Gläsernen Schiebetür lauert und dich beobachtet. Auch wenn deine Umgebung ein verschwommenes, durch die durch deinen Körper schießenden Drogen verzerrtes Spiegelbild darstellt, kannst du diese Bedrohung eindeutig erkennen.
Du weist, warum du noch immer am Leben bist.
Die weiche Stimme flüstert: Ach ja?
Dieselbe Stimme haucht: Wie wär’s wenn du mich eingehend untersuchst?
Der Dirigent deines Lebens schlägt seinen Taktstock einmal auf, Klack, und dein Brustkorb senkt sich. Verbrauchter Sauerstoff. Kein nervender Piepston. Taktpause deines Lebens.
Als der Hammer die Schläfe des Medizinstudenten traf, deines ehemaligen Freundes, schleuderte durch die Wucht des Aufpralls sein Gehirn an die gegenüber liegende Schädelwand und löste eine sofortige Lähmung aus. Seine Arme lockerten sich. Die Arme die dich umklammerten. Die dich beschützten.
Noch während du dich auf den Boden zu bewegtest, sackte sein Körper in sich zusammen als hätte man ihm mit dem Schlag sämtliche Knochen entfernt. In demselben Augenblick, in dem dir der Aufprall die Rippen brach, verweigerten Muskeln ihren Dienst und ließen seine Knie nach vorne schnellen. Ließen ihn auf dein kleines Ärmchen krachen. Auf deine Beinchen. Dein Nieren zerquetschen.
Der Schatten setzt sich in Bewegung, kommt auf dich zu.
Die dunkle Stimme, dein Arzt, sagt: Wir sind hier nicht ungestört.
Als der wuchtige, jetzt auf dir kniende Körper deines Vertrauten zur Seite fiel, träge wie ein gefällter Baum, die Arme seitlich baumelnd, die Augen weit aufgerissen vor Schmerz und Unglauben, hast du ihn zum ersten mal gesehen. Diesen Schatten. Schwarz, bis auf seine, von mattem Licht entblößten Zähne. Grinsend, von oben herab auf wild ausschlagende, zuckende Beine blickend. Auf dich. Deinen Blutverkrusteten schuldigen Körper.
Ein stummer Zeuge.
Der Rhythmus deines Lebens beginnt von neuem. Klack. Piiiep, und der nächste Tsunami rast von deiner, mit blauroten Blutergüssen überzogene Brust, schießt durch deine Augen und überflutet jede Zelle deines Gehirns, tötet jede Empfindung. Dir bleibt einzig und allein der Schmerz.
Die Flüssigkeiten aus der Schläfe des Studenten sickerte durch den Teppich, versammelte und staute sich in Holzrillen, bildete einen stinkenden Bach aus Blut und Gehirnfetzen, fanden einen kleinen Spalt und stürzte in ein Polyesterrohr. Schlängelte sich an den darin verlaufenden Elektrokabeln entlang und sammelte sich im Messing der Lampe unter euren zerstörten Körpern. Tropfte in eine Schüssel mit Paprikachips.
Und das zur Primetime.
Der Schatten wuchtet vor dir, gleich einen verschwommenen Tintenfleck auf feuchtem Papier. Die Ahnung eines Männlichen Torsos. Die Flut des Schmerzes lässt dich nicht mehr erkennen. Streicht sanft mit einer Hand über den Rand deines Aquariums. Du fühlst dass er grinst.
Deine Mitmenschen sind äußerst tolerant. Tolerieren die Flüche einer Mutter wenn sie ein blutendes Bündel Fleisch aus ihr herauspresst. Versteckt vor der restlichen Welt, um dich geheim zu halten. Du solltest von Anfang an nicht sein. Sie tolerieren eng um die Hüfte geschlungene Gürtel einer Mutter um Schwangerschaften zu verbergen. Dich zu verbergen. Sie tolerieren Drogen und in Alkohol getränkte Nächte und Schläge und Hasstriaden. Sie tolerieren blaugrün geschwollene Augen, Beine, Arme. Sie antworten deiner Mutter bejahend und behaupten, es wäre schon angebracht einen Warnhinweis vor den Treppen aufzustellen. Es wäre höchste Zeit. Wenigstens dann, wenn sie frisch gewischt wären. Die Treppen sind Daumendick mit Dreck und Staub und Glasflaschen und Nadeln und Präservativen überzogen. Jede einzelne Stufe steht vor Dreck.
Die weiche Stimme sagt: Nicht bei mir. Ich sollte mal wieder putzen.
Die Stimme kichert unterdrückt.
Deine Mitmenschen sind tolerant und kurbeln die Lautstärke ihrer flimmernden Hirntötungsmaschine etwas in die Höhe um deinen ersten Schrei nicht hören zu müssen. Um nicht mitzubekommen das es dich gibt. Stellen sich eine Schüssel Paprikachips auf den Schoß, öffnen zischend ein Dosenbier, entflammen eine Zigarette und lehnen sich genervt furzend in abgenutzte Sessel. Erhöhen die Lautstärke noch ein wenig.
Dein Arzt sagt: Lass uns von hier verschwinden.
Deine Mitmenschen sind sehr tolerant wenn es darum geht, über die Anzahl der Männer hinwegzusehen, die sich tagtäglich in die Wohnung über ihnen schleichen. Oder neben ihnen. Darunter. Gegenüber. Lauschen dem stöhnen. Den Schlägen. Keuchende Erniedrigungen. Sie beantworten die Frage, ob es den ihr Kind sein könnte mit einem klaren nein. So tolerant sind sie. Alles nur ein guter Deal. A Blowjob a day, keeps the Police away.
Ein pechschwarzer Schatten taucht in dein Aquarium.
Herzfrequenz: steigt.
Eine Berührung. Nicht mehr als ein Windhauch über deinen seitlich gelagerten Kopf. Über deine Narbe.
Werbebotschaften hallen durch die Gänge des Baufälligen Gebäudes. Sportübertragungen. Krankenhausserien. Kochduelle und Softpornos. Traumwelten. Die Unterhaltung deiner toleranten Nachbarn. Reality Soaps verdrängen die Wirklichkeit.
Ein Fußtritt brach dir die Hüfte. Schleuderte dich an eine Wand. Ein kleiner roter Fleck am bröselnden Verputz.
Eine grelle Stimme, die deiner Mutter, hallte durch das Stiegenhaus. Übertrumpfte Marilyn Manson. Du hast aufgehört zu schreien.
Mal ehrlich: Wenn interessiert das schon.
Ein Gemisch aus Blut und Gehirn staut sich in der Messingabdeckung der Hängeleuchte, bildete zähe Fäden, schlängelte sich über eine verrostete Kette, der Goldlack längst abgeblättert. Bahnte sich seinen Weg über ein Stoffmuster von Blumen. Sonnenblumen. Rosen. Lilien. Kitsch.
Das Geschrei deiner Mutter ließ den Mann mit dem Beil vor der Tür anhalten. Der Mann mit dem Jutesack. Dem leeren Jutesack. Dem Beil mit der feucht glänzenden Rückseite. Der flachen Seite.
Und das zur Primetime.
Mal ehrlich: Würdest du nicht auch die Staatsmacht herbeizitieren wenn eine Mischung aus Blut und Gehirn in deine Paprikachips klatscht?
Die weiche Stimme sagt: Das geht doch nicht.
Sie sagt: Sie müssten jeden Moment hier sein. Noch etwas Geduld, ja?
Ein dunkler Windhauch streift über deinen wehrlosen Körper. Deinem gebrochenen Arm. Der zertrümmerten Hüfte. Taucht in dich ein.
Körpertemperatur: sinkt.
Vereinigt sich mit deiner Wahrnehmung, deiner Erinnerung und Gedanken. Deiner unentdeckten Wirklichkeit. Deinem zurückgezogenem ich.
Die Elektroden an deinem zuckenden kleinen Schädel bringen dutzende Linien eines Monitors zum kollabieren. Deine Welt ein einziger, durchgehender Piepston. Das hektische schnauben des Sauerstoffgerätes.
Dein Puls: rast.
Zarte Gummihände berühren dich.
Viertelpause im Walzer deines Lebens.
Du stehst plötzlich etwas abseits und beobachtest eine Frau. Du bist kein wehrloser Säugling mehr. Nicht mehr der Bewusstseinstaucher in einem kleinen Aquarium. Der Schotter unter deinen Beinen ist real. Die stechende Kälte. Das wirbelnde Laub. Gelb. Rot und braun. Der böige Wind peitscht ihr immer wieder blonde Strähnen, die sie sich mit einer Hand hinters Ohr klemmt, ins Gesicht. In der anderen hält sie einen Strauß frischer Rosen. Gelber Gerbera und grünes Beiwerk. Die morgendliche Luft ist erfüllt mit dem Geruch von frischer Erde und der Feuchtigkeit eines soeben nachgelassenen Regens. Sie trägt eine dunkle Sonnenbrille und unter ihrem Rauchgrauen Mantel glänzen Schlammspritzer an blassen Beinen. Dunkle, unter dem Gewicht des Regens knarrende Bäume wiegen im aufkommenden Sturm, auf den Gipfeln der fernen Berge kauern dicke Gewitter. Blitze zucken. Der Geruch von erstem Schnee wirbelt um dein Gesicht. Die Frau hat noch Zeit sich neben die Vase zu knien, eher du das grollen des Donners hörst. Auf das rötlich marmorisierte Gestein welches das Grab umgibt. Neben den wuchtigen Grabstein.
Du beobachtest die Frau wie ihr die Vase aus der Hand gleitet, hörst ihr Fluchen als sie ihr auf die Knie knallt und in den Matsch hinter den Grabstein rollt. In diese kleine Pfütze.
Die weiche Stimme flucht: Verdammte Scheiße, bleib hier.
Der Boden dahinter, vom anhaltenden Regen völlig durchweicht, der massive Grabstein unterspült, bietet den hohen Absätzen ihrer Schuhe kaum halt, gibt nach. Du beobachtest wie sie einknickt, sich, um den Sturz zu verhindern, am steinernen Denkmal festkrallt. Du beobachtest sie aus der ferne, während du jeden Tropfen fühlst den dir der aufkommende Sturm wie Nadeln in dein Gesicht hämmert.
Hörst das klatschen als ihre Handfläche im nassen Boden versinkt, das dumpfe aufschlagen ihrer Knie, die andere Hand noch am kippenden Grabstein. Durch das donnern hindurch erkennst du die Panik in ihrer Stimme. Die Erkenntnis. Der Moment in dem die Zeit still steht. Für die Winzigkeit eines Wimpernschlages siehst du ihr in die Augen. Erkennt sie dich.
Entsetzen das sich in ihren Augen spiegelt.
Die weiche Stimme flüstert: Du Bastard.
Dein Arzt sagt: Was?
Der Kopf der Frau, deiner Arzthelferin, wird vom Gewicht des Grabsteines in den schlammigen Boden gedrückt. Ihr offener Mund mit Erde gefüllt. Du beobachtest noch das letzte aufbäumen ihres Körpers, das zucken ihrer Beine, dann liegst du wieder in deinem Aquarium. Der Schatten ist verschwunden.
Dein Arzt sagt: Zehn Mäuse das der kleine Kerl den Herbst nicht überlebt.
Mal ehrlich: Wenn interessiert das noch?

Monat 3

Dein Aquarium ist leer. Die Monitore schwarz. Kein einziges Geräusch durchzuckt den kalten Raum. Die Schatten an den Wänden bedeutungslos. Starr.
Du liegst fest in Tücher gezurrt, unfähig zur geringsten Bewegung, in deinem Bettchen. Deine Welt hat sich in ein schreiendes Universum verwandelt. Deine Glieder ersehnen Bewegung, der Schmerz zieht und zerrt mit aller Wucht daran und lässt deine flachsigen Muskeln erzittern. Unaufhörlich. Du bist auf Entzug.
Ein mumifizierter Drogenabhängiger.
An dem Eigelb der Wände kleben Poster von glücklicheren Menschen in deinem Alter. Liebliche Geschöpfe in bunten Schmetterlingskostümen. Kleine, über sperrige Holzplanken kriechende Schnecken, schlafende Bienen; zusammengekauert auf geschlossenen Knospen. Grienende Seerosen. Lallender Blumenkohl. Aus Plastikeimern lachende, mit Rosen bestückte Kulleräuglein. In die Welt staunende Sonnenblumen in Tontöpfen.
Du bist die stinkende, dürre Raupe in ihrem Kokon. Ein schwitzendes, schlafloses Bündel in Blutrotem Mohn.
Eine Frau in weis schreibt eine zwei in ihre Checkliste.
Eine andere sagt: Der arme Kerl wird sein Leben lang humpeln.
Toll, ganz toll.
Ein verkrüppelter, namenloser Scheißer. Mit dem Kreuz des Vorurteils geschlagen.
In deiner Zeit als Taucher in deinem Aquarium, von Maschinen beatmet, dein Organismus mit Schmerzmittel durchgespült, hättest du den Morphinentzug nicht mitbekommen. Als Exjunkie setzen sie dich auf Therapie. Alles nur ein guter Deal. A Methadon a day keeps the Heroin away.
Die Frau an deinem Bettende kritzelt eine abgehackte drei in ihre Checkliste.
Sie sagt: Es hätte schlimmer kommen können.
Die Skala auf ihrer Liste reicht von eins bis neun. Eine Skala für jedes Entzugssymptom. In diesem Fall bedeutet die eins geringes schwitzen. Du schwitzt wie eine neun.
Die andere Frau sieht dich gläsern an und sagt: Sie haben sie unter einer Werbetafel begraben.
Du fragst dich, ob dein brüllender Bettnachbar ebenfalls auf Entzug gesetzt wurde. Warum der Schatten an seinem Bett lehnt. Die Arme an der Brust verschränkt. Den Cowboyhut tief in die Stirn gezogen. Die Fußknöchel über kreuz. Sein Blick unablässig auf dich fixiert.
Du fragst dich, ob die ganze Welt auf Entzug gesetzt wurde.
Die Frau schmiert zittrig eine Zahl auf ihre Liste. Die vier.
Für deine Krämpfe hättest du dir eine acht verdient.
Die Frau mit den leeren Augen sagt: Sie haben sie zerfetzt.
Sie flüstert: Ihre Körper im Stiegenhaus verteilt.
Unter deinem Bett dürfte sich die Erdachse befinden. Die verglaste Öffnung durch die funkelnde Sonnenstrahlen knallen um darin winzige Staubpartikel tanzen zu lassen, wandert um dich herum. Wie das kleine Tischchen davor. Der Blumenstrauß darauf. Die orange wankenden Plastiksessel. Die schreienden Betten gegenüber. Verzerrte Gesichter wirbeln um dich herum. Dämonen.
Das Laken auf deinem Polster riecht sauer nach Erbrochenem. Dem Inhalt deines kleinen Magens. Speichel tropft dir aus dem Mund und hinterlässt einen nassen Fleck hinter deinem Ohr.
Die Frau mit der Checkliste drückt nervös mit dem Daumen die Mine des Kugelschreibers rein und raus. Klickklack. Klickklack. Rein. Raus. Rein. Raus. Dann entschließt sie sich zu einer neun.
In ihrer Sprache bedeutet das, du hast einen guten Schlaf. In deiner Sprache heißt das, sie ist ein verblödetes, sadistisches Miststück.
Die Frau mit den leblosen Augen sagt: Selbst im Keller fanden sie noch Körperteile. Ein Bein zwischen den abgestellten Fahrrädern. Einen zerfleischten Rumpf aus dem die Gedärme hingen auf den Treppen zum ersten Stock. Einen Schädel ohne Augen und abgebissenen Ohren vor dem Lift im dritten. Schrecklich, nicht?
Die Frau sieht dich an und fragt: Wie kann man so etwas übers Herz bringen?
Die Wände des Treppenhauses sind mit Graffiti beschmiert. Die Kunst der Unterschicht, das Geschmiere der Verlassenen und Perversen. Infostände der Hauseigenen Pornoindustrie. Blowjobs bekommst du in der vierten Etage. Tür dreizehn. Frag nach Camille. Fesselspiele ein Stockwerk darunter. Um Terminabsprache wird gebeten, siehe Telefonnummer anbei. In roter Schrift wird für Pissspiele geworben. Selber Stock, Tür 21. Gefesselt und geschlagen wirst du im achten Obergeschoss. Mathilde erledigt das. Alexandre und Quentin ficken dich in den Arsch. Nathan und Enzo Scheißen auf dich.
Vor Tür sieben im zweiten Stock liegt ein brauner Jutesack. Die Tür ist aufgebrochen. Holzsplitter kleben in der eingetrockneten Blutspur die knapp davor endet. Die zerfetzten Reste eines gelben Absperrbandes flattern vom Türstock.
Klickklack. Klickklack. Rein. Raus. Rein. Raus.
Eine fünf in der Checkliste bedeutet diesmal, dass du dich ruhig verhältst. Nicht um dich schlägst oder strampelst. Vergiss nicht, du bist in Tücher gewickelt, du kleiner stinkender Kokon.
Die Frau mit den bleiernen Augen zischt: Auch wenn er den kleinen gerettet hat, so etwas macht man nicht.
Sie sagt: Diese kleinen jungen Dinger.
Deine Glieder behaupten, du seist in eine Streckmaschine gespannt, dein Herz tobt sich wild pulsierend direkt in deinen Schläfen aus, und trotz mehrerer Lagen dicker Baumwolltücher frierst du plötzlich. Die Welt befindet sich im Schleudergang, taucht das Zimmer in ein Meer aus Linien. Nur der Schatten bewegt sich nicht, starrt dich unentwegt an. Lässt dich nicht aus den Augen.
Als die beiden Toten aus Wohnung sieben geschleppt wurden, rollte der Krankenwagen bereits gemächlich durch die spärlichen Ausläufer der Rush hour. Das Blaulicht abgeschaltet. Spiegelnde Reflexionen der Straßenlaternen am Lack. Keiner klammerte sich an der Hoffnung, du könntest überleben. Für die Sanitäter warst du niemals am Leben.
Du denkst: Wie man sich doch täuschen kann.
Die Toten hatten eines gemein: Ihren eingeschlagenen Schädel. Der Unterschied bestand nur darin, dass in einem der Beiden noch ein Beil steckte. Der Hölzerne Schafft in der Mitte zersplittert. Sein einstiger Besitzer behauptete den Uniformierten gegenüber, er hätte nicht anders handeln können. Er hätte den Mann gewarnt. Ihn gebeten, nicht auf dich einzuschlagen. Der Mann wäre von Sinnen gewesen, angefeuert von dieser Verrückten. Deiner Mutter.
Dein vermeintlicher Retter, dieses zitternde, die Worte stotternd in den Rauch seiner Zigarette schleudernde, erbärmliche Pack. Dieses kahlköpfige, Blutbesudelte, an der Wand lehnende Arschloch behauptete, diese Frau wäre auf dem zerschlissenen Sofa gehockt, nackt, und hätte unaufhörlich gelacht. Wäre Tobsüchtig geworden. Dieser Lügner behauptete, sie hätte dabei ihre eigene Plazenta verspeist.
Die nervöse Frau mit der Checkliste schreibt eine drei.
Diesmal bedeutet das, du zeigst kein auffälliges Merkmal für Übelkeit.
Der Schatten grinst.
Die Frau mit den ausdruckslosen Augen sagt: Wie kann man so etwas nur machen.
Sie sagt: Das ist doch unmenschlich.
Die Stimmen klingen jetzt wie aus weiter ferne, zähflüssige Silben, durch die Luft wirbelnde Konsonanten und lang gezogene Vokale. Die Umgebung außerhalb des Fensters verschmilzt zu einem Klangbrei. Sirenen jagen durch das Zimmer, an deinem Bett vorbei. Das Einschlagen von hektisch laufenden Absätzen an deinem Plafond. Ein Hubschrauber landet auf dem Bett neben dir, ein Arzt springt fieberhaft aus seinem Bauch, fetzt dir die Tücher vom Leib um mit seinem Kugelschreiber eine Zahl in deinen Schweißnassen Bauch zu stechen. Klickklack. Klickklack. Rein. Raus. Rein. Raus.
Das rhythmische surren des Klimaanlage schwingt ins unermessliche. Zerfetzt die Realität. Ein Schwarm zahnlos grinsender Babys in Bienenkostümen verharrt unreale Augenblicke über deinem Bett, um sich, den gigantisch funkelnden Stachel voran, auf dich zu stürzen. Du öffnest deinen trockenen Mund; aus deinem Mund stürzt nur ein Schwall sauerer Galle. Unverdauter Schmerz.
Der Schatten steht an deinem Bett, eine Hand tief in den Taschen seiner Hose vergraben, mit der anderen streicht er über deinen ruhig gestellten Körper. Woher kennst du ihn?
Seine Handflächen an deinen Beinen nasskalt wie Schnee im Frühling, schmelzen an deiner gebrochenen Hüfte, überschwemmen deinen Bauch, eine Flutwelle rast über dein Gesicht und verwirbelt Haarsträhnen. Du versinkst. Tauchst ab auf den Grund deiner unentdeckten Wirklichkeit. Ohne die Lippen zu bewegen stellt er dir eine Botschaft in dein halluzinogenes Gehirn.
Seine Stimme klingt tief, klar und vertraut, wickelt sich an den Rand jeder einzelnen Zelle deines Körpers, strömt durch Blutbahnen, durch dein Schockgefrorenes Herz, deine zugeschnürte Luftröhre; blitzt kurz im Wasser deiner Augen auf.
Ein Wimpernschlag.
Der Klang all deiner vergangenen Existenzen. All deiner bisherigen Leben. Du solltest dich nicht daran erinnern, das war der Plan. Du dürftest nicht mehr hier sein. Nicht schon wieder. Nicht noch einmal.
Die Stimme hat keinen Ton, keinen Klang. Monotone Worte ohne Harmonie legen sich farblos in deine Mitwahrnehmung. Du verspürst keine Angst. Keine Liebe. Fühlst nichts.
Deine Schläfen sind taub und Gefühllos und kalt. Deine Pupillen riesig und unnachgiebig an die unendlich ferne Decke gerichtet. Die Lider weit aufgerissen. Dein Herz schlägt nicht.
Deine Atmung nichts mehr als ein zarter Hauch.
Du denkst: Der Tod fühlt sich besser an.
Die Stimme sagt: He Mann, solltest es besser wissen. Der Mistkerl ist ein sarkastischer Stümper. Ein Dilettant. Banause. Kleinbürgerlicher Ignorant. Nenn ihn wie du willst, spielt doch sowieso keine Rolle. Hast es gesehen. Wärst ja wohl nicht hier wenn er noch’n bisschen Spaß an seine Job haben würde.
Ich bin hier.
Sie sagt: Wir sind hier.
Du denkst: Beweis erbracht. Für den Tod redet er zuviel, das weist du aus Erfahrung.
Tief in dir grinst eine Stimme: Dein Sinn für Humor hat mir schon immer gefallen.
Wer ich bin?
Wirst du noch früh genug erfahren. Jetzt bleib cool und Atme! Wär doch zu blöd, wenn wir uns hier verplaudern. Wenn ICH dich dadurch auf dem Gewissen hätte … und bevor ich’s vergesse: Wie war’s beim letzten mal?
Sie sagt: Hab mich totgelacht als sie dich gebraten haben. Totgelacht! Verstehst du? Ist doch zu komisch, nicht?
Mit einem Schlag ist die Kälte in deinen Organen weg. Dein Herz versucht die entgangenen Schläge wieder wettzumachen, dass Vakuum deiner Lunge füllt sich, und in dem Sog schwimmst du wieder an die Oberfläche. Der Sauerstoffhammer schmeckt nach oxidiertem Metal und dem durchsichtigem Plastik das dir jemand an den Mund presst.
Eine dunkle Stimme, dein Arzt, leuchtet dir mit etwas in die Augen und sagt: Nur damit du es weist, ich mag dich nicht.
Mal ehrlich: Wenn interessiert das noch?
Die Frau mit dem lieblosen Blick wickelt dich in deine Tücher, damit du wieder eine kleine, Drogensüchtige Raupe sein kannst. Dein bemitleidenswerter, zerstörter, niedlicher Körper mit einer frischen Dosis Barbitursäure durchspült. Das Morphium für die kleinsten unter den kleinen.
Sie sagt: Sie fanden einen Hund in einem Kinderwagen der im Stiegenhaus stand. Die Beine mit frischer Erde beschmiert, zusammengerollt und knurrend nagte er an zwei Beinen herum. Die Nase des Babys hatte er schon abgenagt, sein Gesicht völlig zerfleischt.
Die Frau mit der Checkliste überlegt kurz. - Klickklack. Klickklack. Rein. Raus. Rein. Raus. – dann korrigiert sie die falsche fünf darauf und schreibt stattdessen eine neun. Diesmal bedeutet das, dass du absolut ruhig bist. Nicht strampelst oder schreist oder ein erstes grinsen versuchst oder lallst oder dich umsiehst oder zwinkerst oder nach dem erstbesten schnappst das dir in deine kleine Faust kommt. In deine klitzekleinen Fingerchen.
Du zeigst nicht die geringste Regung.
Auf der Wand hinter dem Kinderwagen stand in roter, zittriger Schrift: Helft mir!
Dein Arzt sagt: Du kannst leben und sie musste sterben.
Eine Menschentraube hinter Absperrbändern beobachtete zwei Hunde die an einem Rauchenden Kahlkopf und einer zierlichen Uniformierten vorbei, ins Stiegenhaus jagten. Die Vorderläufe beschmiert mit frischer Erde. In den Mäulern flauschig zerfetzte Katzenkörper.
Er sagt: Sie wollte nur diese verdammten Blumen an das Grab ihres Vaters bringen.
Und der Schatten grinst.

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